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Buchhändler machen sich über Stralsunder Archiv-Schätze her: Nachdem ein wertvoller Kepler-Druck in New York aufgetaucht war, werden vier weitere historische Werke von Händlern angeboten.

OZ/ Ostseezeitung

Bericht der OZ: Der Skandal um das Stralsunder Stadtarchiv zieht im wahrsten Wortsinn immer größere Kreise: Nachdem bekannt geworden war, dass eines der wertvollsten Werke, der Kepler- Druck, für 182 000 Euro in New York zum Verkauf steht, sind weitere Schätze des Archivs im Handel aufgetaucht. Damit kommt jetzt scheibchenweise heraus, wie hoch der wirkliche Marktwert der 6000 Bände ist, die das Archiv der Welterbe-Stadt im Jahr 2012 zum Schleuderpreis von 95 000 Euro heimlich an den bayerischen Antiquar Peter Hassold verkauft hatte.

Auf Anfrage der OSTSEE-ZEITUNG räumte die Stralsunder Stadtverwaltung gestern ein, dass neben dem Grundlagenwerk des Astronomen Johannes Kepler (1571-1630) auch ein Druck seines Danziger Fachkollegen Johannes Hevelius (1611-1687) auf dem freien Markt gefunden worden ist. Das Antiquariat Reiss in Königsstein im Taunus bietet die Schrift Hevelius‘ von 1674 für 20 000 Euro zum Verkauf an. Auch ein Werk des Schweizer Mathematikers Leonard Euler sei von den Mitarbeitern des Stadtarchivs bei dem Internet-Anbieter Abe-Books zum Preis von 7800 Euro als Stralsunder Exemplar identifiziert worden.

Zudem bietet der New Yorker Buchhändler neben dem Kepler-Druck zwei weitere Werke an. Für 16 000 Euro ist ein Nachdruck von Werken des antiken Mathematikers Apollonius von Perge im Angebot. Ein wertvoller Druck von Homers Ilias und Odyssee aus dem Jahr 1560 kann bei Hill für 6000 Euro geordert werden. Alle Werke sind Bestandteil der historischen Stralsunder Gymnasialbibliothek, die seit 1945 im Stralsunder Stadtarchiv untergebracht war.

Nachdem der Skandal um den heimlichen Verkauf öffentlich geworden war, sind inzwischen rund 90 Prozent der 6000 Bände wieder vorhanden. Die Stadt hatte sich mit Hassold über eine Rückabwicklung des Verkaufs geeinigt. Die wertvollsten Schriften sind aber offenbar nicht darunter, sondern sofort im Handel gelandet. Addiert man die Preise allein für die fünf Schriften von Kepler und Co., ergibt dies einen Marktwert von knapp 232 000 Euro. Obwohl mehrere Mitarbeiter des Stadtarchivs seit Monaten fieberhaft im Internet nach den restlichen noch verschollenen 585 Bänden suchen, gilt ein Rückkauf der nun wiedergefundenen Preziosen im Rathaus schon wegen der Preise als ausgeschlossen. Der Beauftragte der Stadt für die historischen Bestände, Burkhard Kunkel, bezeichnete es als „schmerzhaft“, dass die Exemplare nun von verschiedenen Auktionshäusern zu derart horrenden Preisen gehandelt werden.

„Der Schaden nimmt inzwischen Dimensionen an, die den Bürgerinnen und Bürgern nicht mehr vermittelbar sind“, sagte Jürgen Suhr, Chef der Grünen-Fraktion im Schweriner Landtag.

 

Unten stehende Links vermitteln weitere Informationen zum Thema Bücherverkauf:

http://www.svz.de/mv-uebersicht/der-unterschaetzte-schatz-id5844316.html


http://www.ndr.de/radiomv/audio193861.html


http://archiv.twoday.net/search?q=Stralsund

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